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Jeder Hund kann Beißen

13.01.2020 von Tierheim Team

JEDER HUND KANN BEISSEN, es ist letztlich immer nur eine Frage, wann und unter welchen Voraussetzungen. Entscheidend dafür ist die sogenannte Beiß-Schwelle. Diese Schwelle liegt bei jedem Hund woanders. Diese hängt von verschiedensten Faktoren ab und lässt sich oft für den unerfahrenen Halter gar nicht ermitteln/erkennen.

Ich vergleiche ungern mit menschlichen Eigenschaften, aber auch wir sind doch, was Reizschwellen betrifft, sehr sehr unterschiedlich. Es gibt aber so gut wie niemanden auf der Welt, der niemals sauer oder böse wird. Es wird kaum jemanden geben, den man endlos reizen kann, ohne dass er jemals wütend wird und vielleicht auch mal im Streit laut wird. Ist er aber nun deshalb generell ein böser Mensch?

Mir geht es darum, einmal klar zu machen, dass es nicht „böse Hunde“ sind, die beißen, sondern letztlich jeder von unseren Hunden tagtäglich aus bestimmten Gründen die Beißschwelle übertreten könnte, weil einfach mehrere Faktoren zusammen kommen.

Beispiel:
Sherlock ist nicht sehr gut auf Kinder sozialisiert, weil wir keine haben. Sherlock ist rassebedingt etwas territorialer veranlagt, als vielleicht ein Golden Retriever. Sherlock ist ein sehr begeisterter Bällchenspieler und Bällchenbesitzer. Sherlock mag es nicht, wenn rumgekläfft wird.

Es kommt nun ein Kind mit 2 kleineren Geschwistern und seinem Hund in unseren Garten, der Hund ist ein Kläffer und die Kinder wollen alle mit 5 Spielzeugen gleichzeitig mit meinem Hund spielen. Totale Stress-Situation für Sherlock. Ich habe vielleicht gerade mehr Lust, mit der Mutter der Kinder Kaffee zu trinken und merke nicht, wann die Situation kippt bzw. versäume es, von vorne herein Spielregeln aufzustellen.

Sherlock merkt, ich helfe ihm nicht. Er zieht sich zurück, versucht, die Spielzeuge in Sicherheit zu bringen, aber die Kinder finden das Versteckspiel lustig, der Kläffer rennt die ganze Zeit bellend um die Gruppe herum, Sherlock fährt ein paar Mal knurrend und Lefzen ziehend auf den Hund los und irgendwann schnappt Sherlock zu. Kind oder den anderen Hund. Er ist ein großer Hund, da ist schnell ne große Verletzung da. Oh Schreck, das hat er ja noch nie gemacht, und das, obwohl er ja soooo ein Lieber ist.

Diese Geschichte ist frei erfunden, das Beispiel könnte sich aber genau so zutragen, da Sherlock bereits zwei mal Kinder angeknurrt hat, die ihn zu lange nerven durften, was ganz alleine MEINE Schuld war.

Was ist nun in meiner Geschichte passiert? Es hatten sich genau die Faktoren addiert, die irgendwann zum Erreichen der Knurrschwelle führen und dann braucht es vermutlich nicht mehr sehr viel, dann wird auch gebissen.

Man muss sich das so vorstellen, als hinge da oben eine Leine, bei der wird geknurrt. Darüber hängt die Beißleine. Und ich stelle immer einen Stuhl auf den anderen, der jeweils den Namen dessen trägt, worauf mein Hund nicht so gut kann. Nur ein Kind, kein Problem. Weit von der Schwelle weg. Aber der Stuhl steht da. Mehrere Kinder, auch noch unproblematisch, so lange es nicht zu wild wird. Zweiter Stuhl steht auf dem ersten. Mehrere Kinder, die Spielzeug wegnehmen, naja, so langsam wird es etwas viel. Der Stühleturm wächst. Das ganze Szenario dann noch im eigenen Territorium mit fremdem Hund darin, der auch noch kläfft… die Zeitspanne wird zu lang und es knallt. Die Stühle stapeln sich über die Knurrleine bis hin zur Beißleine… und so wurde eine wesentliche Schwelle ungewollt überschritten.

Möchte das einfach nur mal für alle zu bedenken geben, speziell für Hundehalter, die Hunde besitzen, deren Vergangenheit sie nicht kennen. Man kennt nicht jeden „Stuhl“, der vielleicht in einer speziellen Situation plötzlich da steht, ohne dass man ihn bemerkt. Man ist abgelenkt oder einfach im Lesen des Hundes nicht so geschult, dass man den Stress erkennt und bemerkt, wann es einfach reicht, wann man eine Situation dringend regeln oder beenden müsste. Und dann haftet der Makel des bösen Hundes an unserem Tier und den wird man lebenslänglich nicht mehr los…

(c) Anja Leibfried
frei interpretiert aus dem Buch: „Hunde sind anders“ von Jean Donaldson


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